Die unbezahlte Arbeit von Frauen ist 10,9 Billionen wert

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Weltweit leisten Frauen täglich über 12 Milliarden Stunden Haus-, Pflege- und Fürsorgearbeit – unbezahlt. Würde man ihnen nur einen Mindestlohn dafür zahlen, würden Frauen weltweit zusätzlich 10,9 Billionen Euro verdienen. Weil ein Großteil ihrer Arbeit aber unbezahlt ist, besitzen Frauen aber um 50 % weniger Vermögen als Männer. Länder wie Island zeigen: Das muss nicht so sein.
Insgesamt 12 Milliarden Stunden pro Tag arbeiten Frauen unbezahlt. Das hat eine Studie von OXFAM herausgefunden. Die Forscher rechneten sich außerdem aus: Würde man Frauen für Kochen, putzen, Wäsche waschen und Kindererziehung den jeweiligen Mindestlohn ihres Landes zahlen, würden sie jedes Jahr 10.900.000.000.000 Euroverdienen. Das ist mehr, als die größten 50 Unternehmen der Welt zusammen erwirtschaften.

Frauen besitzen um 50 Prozent weniger als Männer

Diese ungleiche Verteilung unbezahlter Arbeit hat auch Auswirkungen auf die realen Einkommens- und Besitzverhältnisse. Viele Frauen müssen Teilzeit arbeiten, um ihrer zusätzliche „gratis Arbeit“ wie Kinderbetreuung erledigen zu können. Aber auch wenn sie wieder in Vollzeitjobs zurückkehren, verdiene sie deutlich weniger als Männer. Wenn man die Gehaltsentwicklung zwischen Männern und Frauen in Österreich vergleicht, fällt einem schnell auf: Bei jungen Frauen macht die Gehaltskurve einen deutlichen Knick nach unten. Oftmals steht das im Zusammenhang mit der Geburt eines Kindes. Weltweit führt das dazu, dass Frauen um 50 Prozent weniger Vermögen haben als Männer.

Wenn Frauen die Arbeit nicht selbst unbezahlt erledigen, werden oft unterbezahlte Frauen dafür engagiert: Also statt die Familien- und Putzarbeit zwischen Männern und Frauen besser aufzuteilen, wird sie oft von schlecht bezahlten Migrantinnen übernommen, die schwarz bezahlt und unterentlohnt werden.

Wenn Frauen streiken

Schon vor 45 Jahren wollten sich das die Frauen in Island nicht mehr gefallen lassen. Sie riefen zu einem Frauenstreik auf. Am 24. Oktober legten 90 Prozent der Isländerinnen ihre unbezahlte Arbeit nieder. Sie überließen ihren Männern die Kinderbetreuung, weigerten sich zu kochen und führten sonst keine Arbeit aus. Das Land verfiel ins Chaos. In den Büros spielten Kindern, die von ihren Vätern in die Arbeit mitgenommen wurden. Die Restaurants quollen über vor hungrigen Männern.

Dieser Frauenstreik war der Startschuss für eine Reihe von Maßnahmen, die Island zum internationalen Vorbild bei der Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen machte. So wurde nur ein Jahr nach den Protesten ein Gesetz beschlossen, dass Frauen und Männern gleiche Löhne garantiert. Auch die Kinderbetreuung ist in kaum einem anderen Land fairer aufgeteilt. Die Elternkarenz wurde reformiert. Insgesamt haben isländische Eltern neun Monate Karenzanspruch, in dieser Zeit bekommen sie 80 % ihres Gehaltes bezahlt. Drei Monate davon müssen von der Frau konsumiert werden, drei Monate von den Männern. Die übrige Zeit können sich die Elternteile selbst aufteilen. Gleichberechtigung steht heute in Islands Schulen auf dem Stundenplan.